Transkription der WikiStammtisch Episode 0011 mit Alice Wiegand mit freundlicher Unterstützung durch Sucomo – Wir machen Freies Wissen.


Sebastian Wallroth: Hallo und Willkommen zum neuen WikiStammtisch. Zu Gast heute ist Alice Wiegand. Hallo Lyzzy.

00:00:35 Alice Wiegand: Hallo Sebastian.

00:00:38 Sebastian Wallroth: Stell dich doch mal vor.

00:00:40 Alice Wiegand: Mein Name ist Alice Wiegand. Ich lebe in Düsseldorf. Ich arbeite in Meerbusch. Dort leite ich die Abteilung für IT und Organisationsentwicklung. Ich habe hier vorher auch schon als persönliche Referentin des Bürgermeisters beziehungsweise der Bürgermeisterin gearbeitet. Bin halt jetzt wieder zurück in meine berufliche Heimat, die IT. Ich bin Wikipedianerin seit 2004. Ende 2004 bin ich mit einem großen Rutsch vieler anderer interessierter Menschen in die Wikipedia gespült worden. 2005 bin ich Mitglied von Wikimedia Deutschland geworden. Habe dort drei Jahre im Vorstand gearbeitet. Und bin seit 2012 im Bord of Trustees der Wikimedia Foundation. Das ist das Aufsichtsgremium über die Wikimedia Foundation, die Betreiberin der Wikimedia Projekte ist, und ihren Sitz in San Francisco hat.

00:01:45 Sebastian Wallroth: Du arbeitest in Meerbusch, wohnst aber nicht dort. Bist Du eine Meerbuscherin?

00:01:55 Alice Wiegand: Ganz und gar nicht.

00:01:56 Sebastian Wallroth: Gar nicht.

00:01:57 Alice Wiegand: Ganz und gar nicht. Ich bin noch nicht mal Niederrheiner. Und das merkt man hier auch. Sowohl in Karnevalszeiten, als auch, sag ich mal, teilweise an der Theke. Da sind doch die nordrhein-westfälischen Gebiete etwas unterschiedlich. Ich gehöre zu den sturen Westfalen, denen man ja auch durchaus etwas Wortkargheit nachsagt und eine gewisse Sprödigkeit. Aber mich hat es halt hier an den Niederrhein gebracht. Ich lebe hier sehr, sehr gerne, aber ich fühle mich in meiner Freizeit in einer Stadt wohler, als auf dem Land. Und deshalb lebe ich in Düsseldorf. Aber der Arbeitsweg hierin ist durchaus kurz. Es sind Nachbarstädte.

00:02:45 Sebastian Wallroth: Ah ja. Und warum heißt Meerbusch, Meerbusch?

00:02:48 Alice Wiegand: Meerbusch heißt Meerbusch, weil es eigentlich ein Konglomerat aus acht ehemaligen Dörfern ist, die im Zuge der Gebietsreform ´72 zusammengefasst wurden. Und es wurde ein völlig neuer Name gefunden. Und das war Meerbusch. Es hat sich mittlerweile etabliert, aber man muss tatsächlich sagen, dass diese dörfliche Struktur und dieses, jeder Stadtteil hat noch so seine eigene Identität, auch immer noch zu spüren ist. Macht die Arbeit in so einer Kommunalverwaltung spannend und halt auch manchmal etwas unvorhersehbar.

00:03:28 Sebastian Wallroth: Dann ist Meerbusch so eine Art Web 2.0 Name für eine Stadt.

00:03:30 Alice Wiegand: So kann man es glaube ich schon sagen.

00:03:34 Sebastian Wallroth: Und in Wikipedia steht, dass Meerbusch die Stadt in Deutschland mit den meisten Einkommensmillionären wäre.

00:03:41 Alice Wiegand: Steht das da wirklich? Ich bin mir nicht sicher, ob das immer noch stimmt. Aber tatsächlich ist es schon so, dass es hier Bürger und Einwohner gibt, die, ja, es lieben hier, diese Beschaulichkeit und die Grünflächen und die Möglichkeit, wirklich in ein paar Minuten am Rhein zu sein. Aber halt auch eine tolle Anbindung an alle Möglichkeiten, Flughafen, andere Verkehrswege, was auch immer. Also es gibt hier durchaus ein paar sehr klingende und durchaus bekanntere Namen.

00:04:18 Sebastian Wallroth: Ist Meerbusch sozusagen der Speckgürtel Düsseldorfs?

00:04:23 Alice Wiegand: Ja, ich glaube, den Namen oder den Begriff habe ich hier im Zusammenhang so noch nie gehört.

00:04:29 Sebastian Wallroth: Ist ja auch kein Gürtel, sondern der Speckberg.

00:04:34 Alice Wiegand: Der Speckberg auf der anderen Seite des Rheins sozusagen.

00:04:37 Sebastian Wallroth: Ja.

00:04:38 Alice Wiegand: Ich weiß es nicht. Aber ich glaube schon, dass da viel reingehört. Wir analysieren natürlich halt auch, wo unsere Menschen so arbeiten, was für Verkehrswege sie haben. Und da ist sehr, sehr deutlich zu erkennen, wir sind hier eine Wohn- und Schlafstadt. Also, die meisten Menschen, die hier wohnen, arbeiten tatsächlich außerhalb von Meerbusch. Und viele davon auch in Düsseldorf. Das ist auch naheliegend.

00:05:06 Sebastian Wallroth: Und Du bist jetzt als Beamtin zuständig für die IT der Stadtverwaltung? Habe ich das richtig verstanden?

00:05:12 Alice Wiegand: Richtig. Mein Job ist es, dafür zu sorgen, dass all die vielen anderen Beamten und Angestellten der Stadtverwaltung ihre Arbeit ordentlich machen können.

00:05:21 Sebastian Wallroth: Habt ihr denn ein Wiki?

00:05:23 Alice Wiegand: Wir haben ein Wiki, das allerdings nur von unserer eigenen Abteilung genutzt wird bislang. Da ist noch viel zu tun. Also ich denke mal, Wissensmanagement grundsätzlich, ist für alle Kommunen ein ganz, ganz wichtiges Thema. Wir leiden daran, dass uns in den nächsten Jahren ein Großteil unserer Führungskräfte aus Altersgründen, aber natürlich halt auch, ich sage mal, lange dagewesene Mitarbeiter wegbricht. Und wir müssen uns darum kümmern, wie wir deren Wissen, Erfahrung, erhalten für die Nachfolger. Wikis sind da durchaus ein Thema. Das wird hier auch überregional diskutiert. Aber es ist tatsächlich schwierig. Wir stellen es vielleicht auch in der Wikipedia ab und an fest, man braucht vielleicht doch so ein Wiki-Gen, um die Arbeit auf einer solchen offenen Plattform wirklich als spannend, interessant und auch befriedigend zu erleben.

00:06:28 Sebastian Wallroth: Wenn es das nicht ist, dann gibt man sich nicht so damit ab.

00:06:35 Alice Wiegand: Ja. Und es ist auch ein Medium, was nur dadurch attraktiv wird, wenn es lebt, wenn es sich verändert. Statische Inhalte alleine reichen da nicht aus. Diesen Versuch haben wir gemacht. Und das haben wir dabei gelernt. Wenn wir nur Informationen hineinschreiben, ist der Reiz, diese Seiten aufzurufen, immer nur zu diesem einen Moment da. Nämlich wenn ich eine ganz bestimmte Information suche. Aber ein Wiki sollte leben und da sollten möglichst viele Leute dran mitarbeiten. Und insofern, Wiki ist ein Thema. Aber wir haben festgestellt, wir müssen es anders aufziehen, als wir es bislang versucht haben.

00:07:17 Sebastian Wallroth: Na dann, das würde das jetzt eine eigene Sendung werden. Weil Wiki in Unternehmen ist auch so ein Thema, was mich interessiert. Was in den Unternehmen, wo ich bisher war, eigentlich ganz gut geklappt hat. Aber Verwaltung hatte ich jetzt noch nicht so zu tun. Ich sehe immer nur die Webseiten von Kommunen in Deutschland und bin immer so ein bisschen/ finde es immer ein bisschen schwierig.

00:07:37 Alice Wiegand: Was genau findest Du daran schwierig? Dürfen wir den Spieß kurz umdrehen?

00:07:42 Sebastian Wallroth: Ja, schon. Also, zum einen sehen manche total veraltet aus und haben eine schwierige Navigation. Aber richtig beschäftigt habe ich mich freilich nur mit den Seiten in Berlin und in Frankfurt Oder, weil das Städte sind, so, wo mein Leben stattfindet. Und in Berlin wird es immer besser. Ich habe heute zum Beispiel gesucht nach einer Turnhalle, wo wir Betriebssport machen können. Und bin tatsächlich auf der Berlin.de Seite fündig geworden.

00:08:07 Alice Wiegand: Okay.

00:08:09 Sebastian Wallroth: Oder leider ist es ja durch Machenschaften torpediert worden, man konnte Termine im Bürgeramt bestellen. Kennst Du die Geschichte? Das war ohne große Anmeldung. Und dann haben Leute mehrere 1000 Termine für sich blockiert und die dann verkauft.

00:08:27 Alice Wiegand: Nein, das ist mir/ habe ich nicht mitbekommen. In Düsseldorf wird das ähnlich gehandhabt. Da funktioniert es Gott sei Dank noch. Was auch toll für den Bürger ist.

00:08:37 Sebastian Wallroth: Ja. Und in Frankfurt Oder wird es auch langsam besser. Aber wenn ich mir dann bei anderen Städten angucke, auch Frankfurt Oder, und die Seite. Es gibt eine wunderbare Stadtarchiv Seite. Man muss nur wissen, dass es sie gibt, wenn man sie finden will.

00:08:49 Alice Wiegand: Also, ich denke einfach gerade im Moment sehr stark über den Web-Auftritt auch unserer Kommune hier, der Stadt Meerbusch, nach, weil wir den erneuern müssen. Ganz dringend. Und mein Ansatz ist da halt vor allen Dingen, die Perspektive des Bürgers einzunehmen und zu überlegen, was sucht der eigentlich hier bei uns? Was will der? Und ich stelle fest, es fällt uns nicht so einfach. Also, uns als Verwaltungsgetier. Wir sind da sehr auf das fokussiert, was wir aus der Innenperspektive heraus wahrnehmen. Und das wird eine sehr, sehr spannende Aufgabe, auf die ich mich auch schon freue. 00:09:27-2

Sebastian Wallroth: Ihr seid nicht eure Kunden, ja.

00:09:29 Alice Wiegand: Teils, teils. Also, wir haben natürlich halt auch Mitarbeiter, die selber Bürger sind und dann ab und zu einen eigenen oder einen Personalausweis brauchen und Ähnliches. Also, man kann es nicht so völlig ausschließen, aber ich stelle einfach fest, dadurch, dass wir natürlich auch bestimmte Begriffe verwenden, unsere Sprache ist anders, als die des Bürgers, fällt es uns manchmal schwer, zum Beispiel auch vernünftige Suchbegriffe mitzugeben, damit eine Suche auf unserer Seite auch erfolgreich wird.

00:10:00 Sebastian Wallroth: Also Schlagworte. Ah ja, okay. Also, das taggen von Information, dass ich die auch wiederfinde.

00:10:04 Alice Wiegand: Ja. Ja.

00:10:07 Sebastian Wallroth: Ja. Und auf keinen Fall irgendwelche Sachen in Word Dokumenten oder Excel Dokumenten verstecken oder so. Auch PDFs vermeiden. Also, manchmal ist es schon gut, weil es dann eine klare Struktur hat. Und vor allem muss die Suche der Webseite das dann auch finden.

00:10:22 Alice Wiegand: Ich nehme mir das zu Herzen, Sebastian.

00:10:24 Sebastian Wallroth: Danke. Google findet es ja, wenn man es nicht aussperrt. Aber, wenn man auf der Webseite dann selber was sucht und dann nichts findet, das ist immer sehr, sehr tragisch. Oder, wenn man dann nur die Namen der Dateien angezeigt krieg und nicht, was da drinnen ist. Aber wir schweifen ab. Du bist Wikipedianerin. Weißt Du noch, wie das damals war 2004? Warum hast Du da angefangen in der Wikipedia?

00:10:48 Alice Wiegand: Ich weiß noch, wie das war. Ich war auf einer Ausstellung eines belgischen Künstlers und ich habe dann nach der Ausstellung Informationen über ihn gesucht. Ich wollte etwas mehr darüber erfahren, was er eigentlich gemacht hat, wie er gelebt hat. Und ich habe online nicht viel gefunden. Und dann viel mir ein, da gibt’s doch dieses Projekt, über das im letzten Jahr so viel in der Zeitung stand. Kuck doch mal da nach. Und dort habe ich nachgeguckt. Und dort stand auch nichts. Und dann habe ich mir die damals zur Verfügung stehenden Hilfeseiten alle, alle, ich glaube alle, angesehen.

00:11:28 Sebastian Wallroth: Alle drei (lacht).

00:11:29 Alice Wiegand: Versucht, das zu verstehen. Dann bin ich dreimal über meine eigenen Beine gestolpert und habe den Mut gesucht, das jetzt auch zu tun. Und dann brauchte ich so ein paar kleinere Edits und Anläufe und habe dann, ich glaube Anfang (2015? 00:11:46-4) meinen ersten Artikel eingestellt, der dann auch direkt mit einem Foto war, das ich hinterher selber gelöscht habe, weil es nicht ganz sauber lizensiert war. Also, ich habe viele dieser Anfängerfehler gemacht. Ich habe aber auch viele Dinge gemacht, die vielleicht heutzutage nicht mehr so viele Leute machen können. Nämlich sich einfach erst mal einen Überblick zu verschaffen, wie funktioniert das hier? Gibt es Spielregeln? Was darf ich? Was geht nicht? Und wie muss das Ergebnis eigentlich hinterher aussehen? Überraschenderweise ist der Artikel dann auch sehr, sehr lange Zeit relativ unbearbeitet geblieben. Lediglich mal ein Komma hin, ein Komma weg, in eine Kategorie rein und wieder raus. Bis dann, vor etwa drei oder vier Jahren, jemand mit viel, viel mehr Verstand von der Sache, als ich, den Artikel grundlegend überarbeitet und erweitert hat. Und da war ich heilfroh.

00:12:51 Sebastian Wallroth: Ja. Das ist tatsächlich für mich auch einer der Motivationsfaktoren, dass man manchmal auf Leute trifft, die selbstlos etwas verbessern, was man selber auch gemacht hat. Die nicht bloß jetzt dran herumkritisieren oder einen Zettel reinpacken, überarbeitungswürdig. So. Sondern auch was machen. Das ist das.

00:13:11 Alice Wiegand: Das ist auch wichtig. Ich denke, so funktioniert es auch. Mich hat es immer etwas betrübt, dass dieser Artikel so vor sich hinlebte. Man weiß dann nie, sieht es überhaupt jemand? Interessiert das wen? Und ich denke, da kommt das auch wieder, was ich vorhin schon mal im beruflichen Kontext gesagt habe, interessant wird das, wenn da Bewegung drin ist, die natürlich möglichst zum Guten, zum Besseren führt. Aber die Bewegung grundsätzlich sollte schon da sein.

00:13:41 Sebastian Wallroth: Ich gucke gerade, womit Du angefangen hast. Und Du hast von Benutzer (unv. 00:13:46-2), der hat eine Unterseite Sackgassenartikel. Also, hat einen Artikel, eine Liste von Artikeln, die nicht weiter verlinken auf einen anderen Wikipedia Artikel. Und da hast Du mit dem ASG Bildungsforum angefangen. Dann den Apple Display Connect ein bisschen bearbeitet. Und dann wird es interessant. Dann geht es nämlich weiter mit Kakao, sehr viel Tee, Omelette, Frittata und (unv. 00:14:12-1).

00:14:13 Alice Wiegand: Ja. Das ist ganz spannend. Also, du findest auch in meiner gesamten Edit Liste und auch bei meinen Fotos relativ viel zu Lebensmitteln und Speisen und Nahrungsmitteln. Aber du findest halt da auch immer mal wieder ein bisschen was, was so mit bildender Kunst zu tun hat. Ich habe damals das Portal Comic aufgebaut, weil ich Comic für ein unterbesetztes Thema hielt und das so ein bisschen bündeln wollte. Und habe dort auch sehr, sehr schnell viele Mitstreiter gefunden, von denen auch viele immer noch sehr, sehr fleißig und wacker und rege in diesem Bereich Comic arbeiten. Was halt auch ganz schön ist. Aber man kann halt daran auch erkennen, ja, ich habe durchaus auch eine Reihe von Artikeln geschrieben, aber ich habe mich immer eher so als Hausmeister verstanden. Durchaus auch als jemand, der Listen abarbeitet. Ich war Administrator und habe Urheberrechtsverletzungen in alten Versionen gelöscht. Das ist heute technisch relativ einfach zu händeln. Damals war das damit verbunden, dass man einen ganzen Artikel löschen musste und dann musste man die einzelnen, ich sage mal sauberen Versionen, alle anklicken und wiederherstellen. Frag mich nicht, warum ich das, ich glaube, zwei Jahre lang gemacht habe. Das kann ich Dir heute auch nicht mehr sagen. Aber das ist so.

00:15:44 Sebastian Wallroth: Muss Dir irgendwas gegeben haben. Und damit bist Du auch auf stolze 22.152 Bearbeitungen in der deutschsprachigen Wikipedia gekommen.

00:15:53 Alice Wiegand: Ja. Aber ich denke, man muss dabei berücksichtigen, dass viele dieser Bearbeitung tatsächlich im Zusammenhang mit diesen Löschversionen oder Versionslöschungen stehen. Und sich insofern die tatsächliche Artikelarbeit etwas relativiert.

00:16:09 Sebastian Wallroth: Und dann kommt als nächstes Meta mit 2652 Bearbeitungen. Das spiegelt vermutlich Dein Engagement in den Gremien wieder.

00:16:20 Alice Wiegand: Ich denke, das ist genau das. Also, ich habe halt relativ früh auch festgestellt, ich bin nicht der begnadete Enzyklopädie Artikel Ersteller. Nicht der Schreiberling. Aber, ich kümmere mich halt gerne darum, dass gute Dinge am Leben erhalten werden. Und dass sie davon profitieren, dass man ihnen etwas Liebe und Hingabe schenkt. Und dazu gehört halt all diese Arbeit, die für viele andere Menschen fürchterlich langweilig, bürokratisch, undurchsichtig und halt auch sehr, sehr fern von den eigentlichen Projekten ist. Meta ist halt ein Projekt, auf dem viele dieser Dinge, Absprachen, Pläne mit der Foundation, zwischen verschiedenen Organisationen, aber halt auch innerhalb der internationalen Community, abgestimmt, editiert, gestartet und halt auch beendet werden. Und insofern, auch gerade in meiner Funktion als Mitglied des Boards, editiere ich da. Denn das ist, ich will mal sagen, so mein Spielfeld. Dort ist die Stelle, an der ich die internationale Community erreiche und denen Ideen nahebringe, nach Feedback frage und Ähnliches.

00:17:45 Sebastian Wallroth: Wenn ich mir diese Jahresübersicht Deiner Edits insgesamt anschaue, dann warst du eben 2005, sechs und sieben sehr aktiv. Und dann halbiert es sich 2008. Und das fällt genau zusammen mit deinem Eintritt in den Vorstand von Wikimedia Deutschland.

00:18:03 Alice Wiegand: Das ist kein Zufall.

00:18:04 Sebastian Wallroth: Das ist kein Zufall.

00:18:05 Alice Wiegand: Nein, es ist kein Zufall.

00:18:06 Sebastian Wallroth: Wieso hast Du dich in den Vorstand von Wikimedia Deutschland wählen lassen?

00:18:10 Alice Wiegand: Weil ich erkannt habe, dass mit Wikimedia Deutschland eine Organisation existiert, die ganz maßgeblich die Autoren und Fotografen, die Menschen, die dieses tolle Wunderwerk Wikipedia kreieren, gestalten, unterstützen kann. Und ich habe natürlich halt auch mit meinem beruflichen Hintergrund durchaus gedacht, dass ich dort gute Dinge leisten kann. Indem ich mich etwas mehr in den Hintergrund ziehe, vom Artikel editieren halt weg, aber die Organisation darin unterstütze zu wachsen und halt sich auf das zu konzentrieren, was letztendlich wichtig ist. Die Community zu unterstützen. Und weil ich, wenn ich solche Dinge tue, die halt auch mit ganzem Herzen tue, musste ich an anderen Stellen etwas abschneiden. Und demzufolge ist die Artikelarbeit halt, ich will mal sagen, das Pfand dafür.

00:19:14 Sebastian Wallroth: Ja. Und konntest Du Deine Vorstellungen umsetzen dann im Präsidium von Wikimedia Deutschland?

00:19:19 Alice Wiegand: Ich habe im Präsidium von Wikimedia Deutschland eine Menge Erfahrung gemacht, auch hinsichtlich der Frage, inwieweit sich individuelle Ideen in einem Gremium umsetzen lassen können oder nicht. Und natürlich funktioniert es halt nicht so, dass du mit einer tollen Idee irgendwo kommst und bist dann in einem Vorstand und alle schreien: Juhu, genau das machen so. Sondern letztendlich sitzen da zehn Leute und jeder hat seine individuellen Ideen. Und es geht darum, sich auszutauschen und diese Ideen abzuwägen und eine gute Linie zu finden. Sich halt auch nicht in die Bürokratie zu flüchten, sondern aus diesem Schmelztiegel, das wirklich vernünftigste für die Organisation, aber halt auch für die Projekte rauszuholen. Es hat mir einen sagenhaften Spaß gemacht, in dem Vorstand zu arbeiten. Und ich denke, jeder, der das mal gemacht hat, erkennt auch, wie sehr man über seine eigenen Grenzen hinweggehen kann und sich weiter entwickeln kann, auch persönlich. Letztendlich habe ich bei Wikimedia Deutschland aufgehört, auch in einer Situation, die man durchaus als kleine Krise beschreiben kann. Wo ich das Gefühl hatte, dass ich als Person hier überhaupt nicht mehr hilfreich sein kann.

00:20:46 Sebastian Wallroth: Da lass uns gleich draufkommen. Ich möchte noch mal auf den Anfang noch mal zurück, Deiner Zeit. Das war ja das letzte Jahr, wo Kurt Janson Vorsitzender war und im Folgejahr war dann Sebastian Moleski Vorsitzender. Gab’s da schon die Geschäftsstelle zu der Zeit?

00:21:03 Alice Wiegand: Ja, es gab die erste Geschäftsstelle. Das war ein kleines Büro, was sich Wikimedia Deutschland, ich glaube mit KDE in Frankfurt geteilt hat.

00:21:15 Sebastian Wallroth: Mit Arne Klempert als Geschäftsführer?

00:21:18 Alice Wiegand: Mit Arne Klempert als Geschäftsführer, richtig.

00:21:21 Sebastian Wallroth: Und dann, wie lange/ dann wurde doch Pavel Richter eingestellt? Fiel das auch in diese Zeit?

00:21:27 Alice Wiegand: Da passierte eine ganze Menge Sachen. Also, Pavel wurde später eingestellt. Wir haben dann/ übergangsweise hat Sebastian Moleski als Geschäftsführer gearbeitet. Wir sind dann umgezogen, haben unseren Sitz nach Berlin verlegt. In unser erstes Berliner Büro. Und haben von dort aus dann die neue Geschäftsführersuche gestartet, aus der dann Pavel Richter als Geschäftsführer hervorging.

00:21:54 Sebastian Wallroth: Ah ja, okay. Ist ja auch mal interessant, so diese Zeiten auch so bisschen Revue passieren zu lassen. Die Arbeit im Präsidium bestand, soviel ich weiß, viel aus Chats zu der Zeit, oder?

00:22:07 Alice Wiegand: Ja, ich denke Chats waren ein Kommunikations Kanal. IAC wurde halt auch durchaus genutzt. Telefonkonferenzen gab es aber früher auch schon. Und, ich sag mal, im Rückblick fühlt sich das immer an, als sein die immer mitten in der Nacht und mindestens vier Stunden lang gewesen. Aber das ist natürlich eine maßlose Übertreibung. Aber Telefonkonferenzen gab es auch. Und sie waren halt auch manchmal sehr lange und auch manchmal sehr spät.

00:22:42 Sebastian Wallroth: Und damals war das Präsidium auch noch ziemlich ins operative Geschäft einbezogen. Wenn ich mir die Beschlüsse von damals, die habe ich mir angeschaut, da ging es auch darum, die Anschaffung eines Kopierers beispielsweise zu beschließen.

00:22:57 Alice Wiegand: Ich glaube, das ist natürlich halt auch der Größe und der Organisationsstruktur geschuldet. Und du kannst das halt auch erkennen bei anderen Chaptern. Ich würde mal sagen, die einfach halt auch ein kleineres Budget haben, auch eine kleinere Geschäftsstelle, weniger Mitarbeiter. Ich finde das immer ganz interessant, halt auch zu sehen, was für Beschlüsse Wikimedia Österreich zum Beispiel trifft. Und da sind Parallelen zu erkennen. Und ich denke, das hat einfach etwas mit der Größe zu tun. Wenn du einen Menschen hast, der im Büro ist und der hat möglicherweise noch eine Assistentin oder einen Assistenten, dann muss irgendjemand halt möglicherweise auch über die Anschaffung eines sehr teuren Kopierers entscheiden oder mitentscheiden. Je strukturierter das wird und je mehr Mitarbeiter auch mit erweiterten Funktionen, aber natürlich halt auch Möglichkeiten eingestellt werden, umso mehr verlagert sich das. Und es verlagert sich an der Stelle schon auch in eine Richtung, die ich für sehr, sehr wesentlich halte. Denn die freiwilligen Mitglieder eines solchen Vorstands, die machen das in ihrer Freizeit. Sie sind häufig weit weg, gar nicht vor Ort. Es fällt ihnen schwer, in die täglichen operativen Geschäfte einzugreifen. Und das sollten sie auch nicht. Dafür gibt es dann Leute, die werden dafür bezahlt.

00:24:33 Sebastian Wallroth: Genau. Über Kopierer zu entscheiden ist dann echt kurz davor, dann auch über die Bleistifte zu entscheiden und sich zu fragen, warum die so schnell verbraucht werden.

00:24:42 Alice Wiegand: Auch das.

00:24:42 Sebastian Wallroth: Aber in diese Zeit fiel ja auch die Erstellung des Kompass 2020.

00:24:46 Alice Wiegand: Ja. Es war uns allen in dem Vorstand, damals war es halt noch Vorstand, auch wirklich wichtig, über dieses Stadium hinaus zu kommen. Und als ein Vehikel haben wir wirklich mit sehr, sehr viel Energie an diesem Strategiepapier gearbeitet, um halt auch den Fokus des Vorstandes eher auf diese strategische Ausrichtung hinzulenken und gar nicht erst auf die Idee zu kommen, über die Bleistifte oder die Kopierer nachzudenken. Aber es sollte natürlich schon auch wegweisend sein für die grundsätzliche Entwicklung des Vereins und für die, ich will mal sagen, Aufgabenbeschreibung auch des damaligen Vorstands. Dass halt die Strategie an der Stelle ein wesentlicher Punkt ist und ein wesentliches Merkmal. Und nicht der Bleistift.

00:25:37 Sebastian Wallroth: Ihr habt als Präsidium auch sehr intensiv daran gearbeitet und der ist auch sehr umfangreich geworden, der Kompass 2020. Ich habe ein halbes Jahr gebraucht, um mich da wirklich damit vertraut zu machen. Es hat mir auch in der Seele weh getan, dass er dann anderthalb Jahre später zu den Akten gelegt wurde. Und auch dann nicht so richtig Widerhall gefunden hat. Ich habe versucht, dann immer Ideen noch rüber zu retten in den nächsten strategischen Punkte. Das ist dann auch nur ansatzweise geklappt, aber die/ naja, war halt eine andere Herangehensweise dann.

00:26:07 Alice Wiegand: Ja. Ich glaube, man kann das immer mit einer Träne, aber halt auch einem Lächeln sehen. Ich denke, ich kann Dir völlig zustimmen. Wo viel Energien hineingeschlossen ist und wo man auch stolz drauf war, da ist es besonders bitter zu sehen, dass das ausblutet oder halt nicht mehr am Leben erhalten wird. Auf der anderen Seite kommen neue Menschen in ein Präsidium oder einen Vorstand hinein, mit neuen Ideen, neuen Ansätzen. Und sie haben möglicherweise auch ganz andere Methoden, über Strategie nachzudenken und entsprechende Schwerpunkte zu setzen. Ich halte das nicht grundsätzlich für verkehrt, solange so eine ganz, ganz rote Linie irgendwo noch erkennbar ist. Und ich finde halt, dass Wikimedia Deutschland es über viele, viele Vorstände und Präsidien hinweg geschafft hat, auch den Bezug zur Community zum Beispiel auch immer wieder noch als Schwerpunkt nicht nur darzustellen, sondern das halt auch zu leben. Und das/

00:27:14 Sebastian Wallroth: Genau. Das ist etwas, was aus diesem Verlust der Agenda 2020 dann rüber gerettet wurde, was ganz gut geklappt hat. Nämlich der Versuch, die Community einzubeziehen in den strategischen Prozess. Was damals/ also ich kannte die Agenda 2020 nicht und ich wusste nicht, was ihre Auswirkung ist. Ich weiß noch, dass wir beide in einer Sitzung waren und Du plötzlich dich zu Wort meldest und Du mit empörender Stimme sagtest: warum reden wir eigentlich nicht über den Kompass 2020?

00:27:41 Alice Wiegand: Ich kann mich an die Situation nicht erinnern. Aber es hört sich nicht so an, als wäre das unmöglich gewesen.

00:27:47 Sebastian Wallroth: Ja, ich war ganz verblüfft. Vor allem, weil ich keine Ahnung hatte, was es mit diesem Dokument auf sich hat. Um dann später erst zu erkennen, dass sich die vorherigen Präsidien damals ja noch da sehr intensiv damit beschäftigt haben, die Strategie zu erstellen. Es hatte nur keine Auswirkung. Nicht mal mich, als mich, der mich dann für die Arbeit interessiert habe, kannte dieses Ding.

00:28:07 Alice Wiegand: Ich glaube, was man daran halt auch erkennen kann, es ist auch die Schwierigkeit, solche Dinge, die ja von Bestand sein sollen, zumindest für einen bestimmten Zeitraum, aus einer Gruppe von Menschen zu entwickeln, die halt auch nur teilweise Erfahrungen in solchen Gebieten haben. Die auch nur teilweise beruflich mit ähnlichen Themen konfrontiert sind. Und in diesen Situationen fängt man dann einfach immer mal wieder bei null an. Und sei es, um bestimmte Dinge zu erklären. Und während des Erklärens finden bereits Veränderungen statt. Und insofern ist für mich also das Bild der Strategie mittlerweile weit weniger fest und konkret, als es vielleicht damals war, als wir an den Kompass 2020 gearbeitet haben.

00:29:01 Sebastian Wallroth: Ich werde ihn mal an den (unv. 00:29:02-6) verlinken, damit jüngere Hörer wissen, wovon wir reden. Ja. Du hattest es schon kurz gesagt, dass Du eben freiwillig ausgeschieden bist, aus dem Präsidium. Willst Du zu den Gründen was sagen?

00:29:18 Alice Wiegand: Nein, das ist lange her. Das hat sich auch, ich will mal sagen, das ist auch mittlerweile kein Thema mehr. Ich möchte es auch gar nicht weiter zu einem Thema machen. Das einzige, was ich dazu sagen kann, ist, dass das eine Situation war, in dem ich halt erkannt habe, dass dieses Gremium, so wie es zusammengesetzt war, mit einer bestimmten Situation nicht wirklich gut arbeiten konnte. Es hat keine Lösung gefunden. Und es erschien mir, ich sag einfach mal, unerträglich, in diesem Vakuum von Unmöglichkeiten gefangen zu sein und habe aus dem Grunde den Schritt zurück dann vollzogen.

00:29:58 Sebastian Wallroth: Ganz ehrlich, ich habe nicht verstanden, wo von Du gerade gesprochen hast.

00:30:02 Alice Wiegand: Ich glaube, das lässt sich gut nachvollziehen. Also, ich verstehe gut, dass du es nicht verstehst. Aber ich möchte hier weder Namen nennen, noch zu tief ins Detail gehen. Tut mir leid.

00:30:12 Sebastian Wallroth: Okay. Dann warst Du im/ wurdest Du gewählt? Oder wie bist Du in das Board der Foundation gekommen? War da eine Lücke dazwischen, zwischen Präsidium und Board?

00:30:25 Alice Wiegand: Ein Jahr.

00:30:26 Sebastian Wallroth: Ein Jahr.

00:30:27 Alice Wiegand: Also, ich hatte ein Jahr Zeit, auch mir darüber Gedanken zu machen, was ich jetzt so tue, für die Idee, für das Projekt, für die Wikipedia und die anderen Projekte, die es noch gibt. Und im Jahr 2012 wurde für das Board, wurden neue Chapters selected Members gesucht. Das sind zwei Menschen gewesen, für das Board. Die wurden von den damaligen Chaptern ausgesucht. Das mussten nicht zwingend Leute sein, die jetzt selber in einem Chapter sind. Die Idee damals, ganz früher, als es geschaffen wurde, war, dass es sich um Leute handelt, die möglicherweise einer Community Wahl, die dort keine großen Chancen hätten. Und aus dieser Chapter Selection sind damals ich und Patricio Lorrente hervorgegangen. Und wir haben dann das Board auf der Wikimania in Washington, D.C., sind wir zum Board gestoßen.

00:31:48 Freie Musik

Sebastian Wallroth: Wir reden jetzt schon eine gute halbe Stunde. Ich glaube, es Zeit ein bisschen für Musik. Wir hatten vorher, vor der Sendung schon mal kurz gesprochen, was für Musik wir denn spielen wollen. Du sagtest, Du hättest gerne was Rockiges. Dann haben wir das Free Music (unv. 00:32:06-0) durchsucht. An dieser Stelle eine kleine Änderung. Das Stück, was wir zunächst ausgewählt hatten, steht unter einer Creative Commons non Commercial Lizenz, die ich nicht für eine freie Lizenz halte. Darum hören wir jetzt unser zweitliebstes Stück. Und zwar “Eloise” von der Band “Royal Headache” aus Sidney, Australien. (Musik von 00:32:25-8bis 00:34:37-8). Da sind wir wieder. Wir hatten gerade davon gesprochen, dass Du über den Chapter Selected Seat, also die, wie kann man das übersetzen? Von den lokalen Organisationen gewählten Mitglieder des Board of Trustees der Foundation da hineingewählt wurdest. Und hattest Du eine Vorstellung, wie die Arbeit dort aussieht?

00:35:04 Alice Wiegand: Ich hatte durchaus eine grobe Vorstellung, weil mein Vorgänger war Arne Klempert. Und den habe ich natürlich schon etwas ausgefragt, sowohl bevor ich, ich will mal sagen, meine Zustimmung gegeben habe, mich auch dieser Auswahl zu stellen, als auch noch kurz bevor ich ins Flugzeug gestiegen bin, weil ich natürlich schon viel erfahren wollte, viel wissen wollte. Aber mir ging es vor allen Dingen halt auch darum, möglichst schnell auch dort, ich will mal sagen, in die Arbeit hinein zu finden. Wir sprechen da immer von Onboarding. Und es geht tatsächlich darum, auch möglichst viel von der Idee hinter dem Board und von dem Selbstverständnis mitzubekommen. Und Arne war da einfach eine Riesenunterstützung. Auf der Wikimania gibt es immer ein Board Meeting, in dem die Board-Mitglieder noch dabei sind, die das Board dort verlassen. Und halt auch Neue. Sodass man sich wirklich gut austauschen kann. Es ist eine, also ich habe es als sehr, sehr hilfreich empfunden, da von den bisherigen Erfahrungen, gerade von Arne, schöpfen zu können und so ein bisschen so in seine Fußstapfen zu treten. Ich habe auch damals so ein Projekt mit übernommen. Arne hatte sehr, sehr stark daran gearbeitet, dass Wiki Voyage in die Wikimedia Projekt Familie übernommen wird. Und ich habe das damals so ein bisschen von ihm auch übernommenen. Und, ja, auch zu einem guten Ende geführt.

00:36:50 Sebastian Wallroth: Was ich ja interessant finde, ich war nun im Vorstand und im Präsidium von Wikimedia Deutschland, was ja schon eine organisatorische Herausforderung ist, so über Deutschland verteilt miteinander zu arbeiten. Ein weltweites Arbeiten von Freiwilligen stell ich mir dann noch mal einen Zacken schwieriger vor.

00:37:06 Alice Wiegand: Das ist es auch. Das fängt einfach damit an, dass man tatsächlich bestimmte Zeitfenster ja nur hat, in denen es für alle Beteiligten irgendwie machbar ist, überhaupt ein gemeinsames Gespräch zu führen zum Beispiel. Als ich in das Board gekommen bin, war auch noch so, dass wir zwischen den normalen Board Meetings keinerlei sonstige Treffen hatten. Also keine online Meetings. Das hat sich mittlerweile geändert. Das ist auch gut so. Das ist auch notwendig. Aber es ist eine logistische Herausforderung. Das schafft man auch am besten nicht nur mit den gängigen Onlinetools, sondern halt auch, wenn man jemanden hat, der einen dabei wirklich auch unterstützt und versucht die besten Tage und Stunden herauszufinden. Wenn dann alle Mitglieder des Boards plus die Mitarbeiter und die Geschäftsführerin alle gemeinsam irgendwie mal für eine Stunde miteinander reden können. Schwer, schwer.

00:38:12 Sebastian Wallroth: Ja. Ich meine, die meisten arbeiten ja. Wenn ich es recht erinnere. Es waren wenige Studenten dabei.

00:38:19 Alice Wiegand: Ja.

00:38:21 Sebastian Wallroth: Also die müssen das ja auch mit dem Arbeitgeber dann irgendwie hinkriegen. Ist bei Dir jetzt Dein Arbeitgeber Dir entgegengekommen deswegen?

00:38:28 Alice Wiegand: Also mein Arbeitgeber hat mir jetzt keine besonderen Zugeständnisse gemacht, aber ich habe natürlich durchaus die Möglichkeit, wie jetzt halt auch, dass ich einfach auch mein Büro nach der Arbeitszeit nutzen kann. Zum Beispiel auch dann mal für ein online Meeting. Ich habe sehr flexible Möglichkeiten, meinen Urlaub zu nehmen, sodass ich den immer mit den Board Meetings abgleichen kann. Und das ist schon eine sehr, sehr hohes Gut. Da bin ich sehr dankbar für.

00:39:00 Sebastian Wallroth: Da fällt mir gerade was auf, wie ich meinen Podcast verbessern könnte. Ich könnte erwähnen, wo sich die Gesprächsteilnehmer gerade befinden. Weil, ich habe bis jetzt noch kein einziges Gespräch geführt, das in derselben Stadt stattgefunden hätte. Du bist gerade in Meerbusch.

00:39:14 Alice Wiegand: Ich bin gerade in Meerbusch.

00:39:16 Sebastian Wallroth: Und ich bin in Berlin. Okay.

00:39:18 Alice Wiegand: Schön.

00:39:20 Sebastian Wallroth: Ja. Aber, es gab also regelmäßige vor Ort Treffen. Waren die nur in San Francisco? Oder auch woanders?

00:39:26 Alice Wiegand: Nein, also wir haben im Regelfall uns halt in San Francisco getroffen. Zumindest zweimal im Jahr. Dann haben wir uns einmal im Jahr auf der jeweiligen Wikimania getroffen. Und einmal im Regelfall, wenn die Wikimedia Conference stattgefunden hat. Das ist das jährliche Treffen der Wikimedia Chapter und thematischen Organisationen.

00:39:56 Sebastian Wallroth: Das heißt, ihr habt euch viermal im Jahr gesehen?

00:39:58 Alice Wiegand: Ja, richtig.

00:39:58 Sebastian Wallroth: Und zwischendurch? Wie habt ihr da kommuniziert?

00:40:01 Alice Wiegand: Mails geschrieben.

00:40:03 Sebastian Wallroth: Mails geschrieben. Tonnen von Mails, die man alle lesen musste.

00:40:06 Alice Wiegand: Ja. Die man alle lesen muss. Die halt auch/ was es auch manchmal schwierig. Weil, das weiß auch jeder, der in der Wikipedia in Diskussionen sich einbringt, das geschriebene Wort braucht durchaus ab und an noch mal eine Erläuterung, wie es denn dann gemeint ist. Und in einer Gruppe mit vielen Menschen, bei denen Englisch nicht die Muttersprache ist und auch deshalb auch einfach bestimmte Dinge entweder sehr vereinfacht gesagt werden oder halt eher umschrieben werden, habe ich festgestellt, muss man ganz besonders und echt höllisch aufpassen, dass man nicht was in den falschen Mund bekommt, was wirklich überhaupt nicht so gemeint war. Das ist, glaube ich, noch so eine Herausforderung, gerade in den internationalen Gremien, die häufig unterschätzt wird. Ich sage mal, die Sprache in der wir da miteinander agieren, ist Englisch. Und das mag für uns eine naheliegende Lösung sein. Und für andere ist es das ganz und gar nicht. Und da haben wir auch noch kein gutes Rezept für, außer natürlich, dass jeder, der in das Board kommt, auch unterstützt darin wird, um seine Sprachfähigkeiten zu verbessern. Das ist das Werkzeug, was wir brauchen, um uns auszutauschen, um überhaupt unsere Rolle ausführen zu können. Und daher ist es auch notwendig, dass man gewisses Level auch erreichen kann, um das so effektiv wie möglich zu machen. Man muss sich das mal vorstellen. Dass natürlich auch Leute, die vielleicht Englisch schon ganz viele Jahre gar nicht mehr aktiv genutzt haben, dass die eine deutlich längere Zeit brauchen, um eine kleine E-Mail zu schreiben, als Muttersprachler oder halt als Menschen, für die Englisch ein Teil ihres Berufslebens ist. Und all diese Dinge müssen wir stark berücksichtigen. Und bei jeder Neukomposition des Boards, mit jeden neuen Mitgliedern, die hineinkommen, ist es einfach etwas, wo man sich auch erst mal aneinander herantasten muss. An den jeweiligen Schreib- und Sprachstil. An die Vorstellung, dass da Dinge (unv. weil Tonschwankung 00:42:26-5), die man gar nicht auf den ersten Blick versteht.

00:42:32 Sebastian Wallroth: Als ihr euch zum ersten Mal zusammengesetzt habt, hat ihr da euch über die Aufgaben des Boards geeinigt? War das klar, was ihr da macht?

00:42:40 Alice Wiegand: Mehr oder weniger. Ich sage mal, das Board der Foundation aus meiner persönlichen Ansicht, hat es bislang leider immer noch nicht wirklich geschafft, sich selbst zu erklären und ein gutes Bild davon abzugeben, was es eigentlich tut. Wie es das tut und was für Qualitäten dafür eigentlich notwendig sind. Nichtsdestotrotz ist es aber so, dass durch die relativ feste Struktur des Boards, wir haben drei Arbeitsgruppen, die auch (unv. wegen Tonschwankungen 00:43:17-4). Dass durch diese Struktur mit den Arbeitsgruppen, diese Komitees, dass wir dort natürlich auch schon eine gewisse Ordnung und auch eine Fokussierung unserer Aufgaben vornehmen. Das erleichtert es etwas. Aber das hilft tatsächlich noch nicht, nach außen hin eine gute Erklärung abgeben zu können. Wir haben unsere eigene Story noch nicht wirklich gut erzählt. Und ich glaube, da müssen wir dran.

00:43:45 Sebastian Wallroth: Und auch euch selber nicht erzählt.

00:43:48 Alice Wiegand: Ich denke, dass wir selber mehrmals durchaus ins Erzählen gekommen sind. Und wir haben auch mehrmals Anläufe gestartet, jeweils im November, wo wir im Regelfall ein etwas längeres Board Meeting haben, über drei Tage. Um halt auch bestimmte Regularien festzulegen, um uns selber eine gewisse Stabilität und Sicherheit zu gehen und halt auch, um die nach außen hin darstellen zu können. Aber auch dort ist es wirklich schwierig zu einer gemeinsamen, auch ganz durchgängigen Linie zu kommen, wenn das Board aus ganz vielen verschiedenen Menschen zusammengesetzt wird. Teilweise haben wir halt auch Mitglieder im Board, die bislang mit der Community selber zum Beispiel noch nie in Berührung gekommen sind, die selbst nicht editiert haben. Und dann fällt es schwer, wenn ich abwägen muss, wie viel Community Bezug soll das Board haben? Und wie viel Organisations Bezug soll es haben? Und wenn da die Nadel fällt in die eine oder andere Richtung, ist es halt wirklich schwierig, alle Mann auf die gleiche Seite zu bringen. Und es wird wahrscheinlich auch nicht hundertprozentig klappen. Vielleicht ist es auch ganz gut, dass das nicht so ist. Weil, ich sehe so die Chance durchaus eher gegeben, dass die wichtigsten Arbeitsfelder abgewickelt werden.

00:45:23 Sebastian Wallroth: Hat denn Jimmy Wales als Gründer der Foundation und erstes und aristokratischstes Mitglied des Boards eine Vorstellung, was das Board zu tun hat?

00:45:34 Alice Wiegand: Oh, Deine Frage klingt ja so, als ob das Board keine Vorstellung davon hätte, was es zu tun hat. Wenn das jetzt gerade so rüberkam, dann muss ich das ganz, ganz dringend berichtigen. Ich glaube schon, dass das Board eine Vorstellung davon hat, was es zu tun hat. Aber natürlich gibt’s dort unterschiedliche Schwerpunkte unter den Boardmitgliedern. Und es gibt auch Situations angepasst einfach schon mal Verschiebungen. So. Das ist das eine. Jimmy Wales ist natürlich, ich will mal sagen, unser Aushängeschild. Ja. So, das ist/ Jimmy Wales ist Wikipedia. Ich denke, das kann man gut und gerne so sagen. Und ich finde das auch nicht schlimm. Ich bin sehr, sehr glücklich, mit ihm zusammenarbeiten zu dürfen. Denn tatsächlich stellt sich heraus, dass das Bild halt auch, was man von ihm hat, durchaus veränderbar ist. Er ist ein Mensch mit einer sehr, sehr offenen Herangehensweise an Probleme, an Diskussionen. Er ist jemand, der viele unterschiedliche Stimmen zulässt, abwägt, aber vor allen Dingen halt auch mit einfach mal bislang ungedachten Ideen in eine Diskussion einsteigt und somit tatsächlich auch hilft, dass man zum Beispiel aus so einer gedanklichen Sackgasse herauskommt. Aber ansonsten ist Jimmy ein Boardmitglied, wie alle anderen auch. Er hat innerhalb des Boards keine besonderen Privilegien. Er ist keinesfalls eine Art Schattenführer. Er übernimmt auch keine dominierende Position oder Rolle in unseren Meetings. Ganz und gar nicht. Er ist da sehr, sehr zurückhaltend.

00:47:17 Sebastian Wallroth: Ja, habe ich auch gar nicht angenommen. Mir ging es tatsächlich darum, Du sagtest, ihr habt euch eure Geschichte noch nicht erzählt. Vermutlich ist es so eine Art Lied, was man immer singen muss und wo dann, wie bei den Walgesängen immer eine neue Stimme noch einfällt und sich das immer verändert. Kann man sich das eher so vorstellen? Das Grundkonzept ist schon klar. Ihr müsst atmen und ihr müsst Grill essen. Aber wie das Lied gesungen wird, das muss noch anders gemacht werden.

00:47:40 Alice Wiegand: Ich glaube das Bild ist ganz passend. Das ist ganz schön. Und vielleicht passt es halt auch deshalb, weil natürlich auch, wie bei den Walen, ist es immer nur eine ganz kleine Gruppe, die letztendlich halt auch zuhört. Das heißt auch, selbst, wenn wir es mal schaffen, unsere Story besser zu erzählen, und ich finde zum Beispiel vor Community Wahlen ist das ganz besonders wichtig. Wir werden ja/ Anfang des nächsten Jahres werden wir die drei Sitze im Board, die von der Community gewählt werden, neu wählen. Das haben wir so besprochen. Und ich finde, gerade in diesem Vorfeld ist es wichtig, den Menschen, die Interesse zeigen, etwas mehr davon zu erzählen, was diese Arbeit im Board bedeutet und was nicht. Auch, um Enttäuschungen zu vermeiden. Auch, um so viel wie möglich zu tun, dass niemand mit falschen Vorstellungen in das Board kommt. Ja, wie ich gerade schon mal kurz gesagt habe, das gilt für Wikimedia Deutschland nämlich genauso wie für die Foundation. Als Individuum kann ich einfach nicht in das Board kommen und plötzlich alles irgendwo anders machen. Nicht die einzelne Stimme zählt, sondern der Austausch und dann das gemeinsame finden auch einer guten Lösung. Das ist nicht ganz einfach.

00:49:01 Sebastian Wallroth: Du hast auch ein gutes Timing immer dafür, in stürmische Zeiten reinzukommen. Zum Beispiel James Heilmann, der aus dem Board, tja, wie sagt man, herausgewählt wurde oder der herausgedrängt wurde oder ich weiß nicht, wie man das gut umschreiben kann, da hat offensichtlich die Chemie nicht gestimmt zwischen den Mitgliedern.

00:49:25 Alice Wiegand: Ich glaube, das ist genau ein Bereich, der das auch sehr schön zeigt. Die Chemie nicht gestimmt, würde ich noch nicht mal sagen. James ist jemand, der, finde ich, auch eine sagenhafte Leistung zeigt in den Projekten. Sein Medizinprojekt und halt auch die vielen Dinge, die er dort macht, die sind nicht nur bemerkenswert, die sind wirklich klasse. Und da, bei James bin ich mir einfach nicht ganz sicher, ich habe einige Gespräche geführt, aber letztendlich sind das Fragestellungen, wo man nie zu einem endgültigen Ergebnis kommt. Aber ich glaube, dass wir hier schon durchaus jemanden hatten, der einen ganz, ganz starken Willen hatte, sich hier einzusetzen, im Board einzusetzen, Veränderungen durchzuführen. Der aber dann/ ich muss mal eben die Tür zu machen. James Heilmann war ein hochmotiviertes Mitglied des Boards. Und ich finde, was James online in der Wikipedia mit seinem Medizinprojekt macht, ist wirklich bemerkenswert. Er hat ja in der letzten Zeit, auch in den letzten Monaten, es geschafft, die Brücke zwischen online und offline zu lösen und veröffentlicht medizinische Artikel in unterschiedlichen Sprachen. So, dass sie halt auch ohne direkten Internetzugang erreichbar sind. Ich finde, das ist ein sagenhaftes Projekt halt für die Verbreitung von Wissen. Ich denke aber halt auch, dass die Motivation, die man bei James sehen konnte, zum einen ganz, ganz wichtige Impulse in das Board brachte. Unbestritten. Zum anderen aber halt auch genau in diese Lücke stieß. Nämlich, dass möglicherweise nicht ganz klar war, wie genau arbeitet das Board. Dass die Erwartungshaltung und die Realität nicht hundertprozentig zusammenpassten. Und ich glaube, das trifft viel, viel eher zu, als irgendeine Chemie untereinander. Sondern, dass hier möglicherweise wirklich auch falsche Vorstellungen von Prozessen, Abläufen, Verantwortlichkeiten, wie auch immer, vorgeherrscht haben. Ich denke, ohne zu sehr ins Detail zu gehen, dass das gesamte letzte halbe Jahr in 2015 keines ist, nachdem wir uns alle stolz auf die Schultern klopfen. Ganz und gar nicht. Ganz und gar nicht. Das gesamte Board war am Ende des Jahres und zu Anfang von 2016 sehr, sehr fragil. Viele von uns haben darüber nachgedacht, das Board zu verlassen.

00:52:15 Sebastian Wallroth: Es sind ja auch/ ist nicht noch jemand ausgetreten?

00:52:17 Alice Wiegand: Danny.

00:52:18 Sebastian Wallroth: Danny ist noch ausgetreten.

00:52:19 Alice Wiegand: Danny (unv. 00:52:20-0) hat das Board später verlassen, dann im Frühjahr. Aber vielleicht sind das halt alles auch einfach Anzeichen dafür, für diese Fragilität. Wir haben uns sehr, sehr stark infrage gestellt. Wir haben auch miteinander und auch im großen Kreis an vielen Stellen überlegt, Mensch, was genau ist denn jetzt eigentlich schiefgelaufen? Und es lässt sich nicht wirklich greifen. Das ist eine ganz, ganz schwierige Sache. Das macht es nicht besser. Und ich will es auch keineswegs irgendwo wegdrücken. Es lohnt sich halt tatsächlich auch, in solche Situation noch mal tiefer hineinzuschauen. Unser Hauptaugenmerk allerdings liegt im Moment wirklich darin, ein stabiles Board zu bauen, das diese Foundation auch in eine gute Zukunft führen kann. Und so ein stabiles Board zu bauen, gehört halt zu aller erst jetzt halt auch die Anfang des Jahres anstehenden Wahlen.

00:53:21 Sebastian Wallroth: Es ging ja schon früher los im Jahr, mit dem Rücktritt von Arne (unv. 00:53:25-4) in 2015, dass da Risse ins Board kamen, dass die Arbeit schwieriger wurde.

00:53:32 Alice Wiegand: Schwieriger. Das ist jetzt/ wir sind an so einer Stelle, wo es wirklich schwierig ist, die ganz vielen unterschiedlichen Dinge, die passiert sind, in die richtige Abfolge zu kriegen. Arnon war Anfang 2016.

00:53:44 Sebastian Wallroth: Ach, Anfang, okay.

00:53:46 Alice Wiegand: Ja, ja. Wir haben Anfang 2016 zwei neue Mitglieder in das Board ernannt. Das waren Kelly und Arnon. Und Arnon ist dann kurze Zeit später wieder zurückgetreten.

00:53:59 Sebastian Wallroth: Ja. Und da sind wir bei dem Punkt. Kommunikation mit der Community. Ich selber sehe mich jetzt durchaus als Mitglied der Community. Und ich kann ja mal so meinen Eindruck sagen. Der ist eben von außen. Man kriegt immer keine gute Geschichte erzählt. So. Man reimt sich dann irgendwas zusammen. Ich selber habe auch nach einer einfachen Erklärung gesucht. Die einfache Erklärung bei James Heilmann war, dass er offensichtlich versucht hat, mehr Transparenz in die Arbeit des Boards rein zu kriegen. Und dass es deswegen zu Streitigkeiten gekommen ist. Ich will jetzt gar nicht wissen, ob das richtig oder falsch ist. Das ist so, was ich mir dann zusammengereimt habe. Tatsächlich hattest Du dich auch dahingehend geäußert, dass das mit der Kommunikation zwischen Board und Community dich sehr belastet.

00:54:52 Alice Wiegand: Ja, nicht nur sehr belastet. Auch sehr frustriert. Auch sehr unbefriedigend ist. Weil, man gerät natürlich in so eine ganz fürchterliche Spirale, aus der man sich auch nur ganz schwer befreien kann. Ich glaube, das schlimme an der ganzen Situation im letzten Jahr, hast Du gerade ganz trefflich beschrieben. Wenn bei der Community übrigbleibt, wenn ich einen Strich darunterziehe, dass James aus dem Board genommen wurde, weil er die Transparenz erhöhen wollte, dann ist das ja ein ganz katastrophales Bild. Und auch unabhängig davon, ob es richtig oder falsch ist, was Du sagst ist ja richtig. Es bleibt einfach hängen bei Menschen wie Dir und vielen, vielen anderen auch. Und wenn ich jetzt sage, nein, das ist, es gibt einfach keine einfache Lösung, sondern die Lösung ist vielschichtig und Transparenz spielte durchaus eine Rolle, aber nicht so, wie es jetzt rüberkommt, sondern ganz anders, hilft Dir das nicht weiter. Und das hilft auch nicht, das Vertrauen in das Board neu zu machen. Ich glaube, was in diesen Situationen schwierig ist und was wir auch als das Board, was wir damals waren, nicht gut geschafft haben, ist, aus einer schwierigen Situation heraus, schnell eine Entscheidung für oder gegen ein Statement, eine Veröffentlichung, irgendeine Mitteilung an die Community zu machen. Und es ist auch nicht so einfach. Wie gesagt, zehn Menschen, unterschiedliche Zeitzonen, verschiedene Sprachen, unterschiedliche Einstellungen, möglicherweise halt auch zu dem eigentlichen Problemfall. Und dann siehst du dich plötzlich wieder mit zehn Menschen an einem Text feilen und der eine setzt ein Komma rein und der andere nicht. Aber eigentlich streitet man sich möglicherweise inhaltlich über etwas ganz Anderes. Wir haben es damals nicht geschafft. Und da schließe ich mich völlig ein. Einfache, verständliche und nachvollziehbare Erklärungen dafür zu geben, warum wir vielleicht gerade auch nicht viel sagen können. Ich weiß natürlich ganz genau, dass es auch Teile in der Community gegeben hätte, die auf eine Mitteilung mit “wie wir wissen, hier läuft gerade einiges schief, aber wir können jetzt gerade nicht mit euch kommunizieren, weil wir erst mal mit uns selber kommunizieren müssen”, die damit nicht zufrieden gewesen wären. Aber ich glaube, es hätte auch viele gegeben, denen das für den Moment auch erst mal gereicht hätte. Da haben wir völlig versagt. Und ich glaube, dass man, und ich hoffe, dass man an unserem Verhalten auch der Community gegenüber und an dem, was wir im Moment/ obwohl im Moment eine Phase ist, wo jetzt auch noch nicht ganz viel im Board passiert, wir sprechen schon mehr über das, was wir vorhaben. Und ich werde wirklich viel daran tun, mitzuhelfen, dass das Board, auch, wenn es etwas kritischer ist und das Gewässer vielleicht etwas unruhiger wird, dass es dieses Kommunikationsverhalten auch beibehält.

00:58:10 Sebastian Wallroth: Sehr gut.

00:58:12 Alice Wiegand: Man muss an was glauben.

00:58:14 Sebastian Wallroth: Ja. Das ist groß. Tatsächlich. Wir reden/ diese Sendung dreht sich tatsächlich vorwiegend um Selbstorganisation und wie man macht, das finde ich auch gut. Mir schwirrt immer noch im Kopf rum, allgemein zu sprechen, darüber, wofür die Foundation da ist, wofür Wikipedia da ist. Aber lass uns mal bei diesem Thema bleiben. Ich finde das super spannend. Ich war ja selber auch in Kommunikations Schwierigkeiten verwickelt, im Zusammenhang mit der Trennung vom Geschäftsführer Paul Richter und der Suche nach einem neuen Geschäftsführer. Und interessanterweise gab’s auch in anderen Chaptern Wechsel von Geschäftsführern. Im Englischen Chapter. Und wo war es noch? Ich glaube im schweizerischen. Aber auch in der Foundation. Und das ist eine mehrjährige Geschichte. Eine Geschichte von, wie heißt es, Wind und Eis. Ja, also es begann damit, dass die erste und langjährige Geschäftsführer Sue Gardner mitteilte eines Tages, dass sie eben vorhat, sich anderen Sachen zu zuwenden. Und dann eine mehrjährige Suche nach einem Nachfolger oder Nachfolgerin begann.

00:59:27 Alice Wiegand: Ich denke was, wenn man das natürlich auch sich noch mal so in Erinnerung ruft, darf man auch nicht vergessen, ich weiß nicht ganz genau wann Sue als Geschäftsführerin in die Foundation gekommen ist. Das ist dokumentiert, das kann man nachlesen. Ich habe es gerade nicht im Kopf. Aber Sue hat die Foundation viele, viele Jahre geführt und hat die Foundation natürlich schon auch zu dem gemacht, was sie heute ist. Sue hat eine Menge daran getan, dass die Struktur innerhalb der Foundation so ist, wie sie ist. Sie hat Schwerpunkte gesetzt. Sie hat bestimmte Richtungen vorgegeben. Und sie hat die Foundation von einer ganz kleinen, relativ wild und wirr strukturierten Organisation zu etwas geführt, was halt eine durchaus klarere Linie hat, aber wo halt vor allen Dingen auch ein sehr großes Potenzial zu erkennen war. Und Wachstum ist durchaus ein Begriff, der natürlich halt auch die Zeit von Sue begleitet. Als Sue die Foundation verlassen hat, hatten wir, glaube ich, schon ungefähr 250 Mitarbeiter. Die Zahl ist mittlerweile noch ein bisschen gewachsen. Aber das ist einfach auch schon mal ein Ding, was man stemmen muss. Und das hat Sue geschafft. Und aus diesem Bereich heraus, Sue kam von der Kommunikationsseite. Und wir haben innerhalb der Foundation natürlich einen sehr, sehr großen Bereich, wo mehr als die Hälfte unserer Mitarbeiter arbeiten. Das ist der komplette Technikbereich, in dem Entwickler arbeiten, Menschen, die unsere Server am Laufen halten, Menschen, die Sicherheitsmechanismen am Leben halten. Und dieser Bereich ist einfach ein Bereich gewesen, der Sue persönlich nicht so nahe war. Und aus diesem Grund heraus und weil wir auch die Wichtigkeit des Bereichs selber natürlich sehen und wir wollten halt auch zum Beispiel, dass der Visual Editor auch endlich mal in Schwung kommt, ja. Das ist ein Projekt, was über Jahre entwickelt wurde. Und wo es nie letztendlich/ oder wo der Abschluss immer wieder verzögert wurde. Das und viele, viele ähnliche Dinge, hat uns dazu geführt, dass wir bei der darauffolgenden Ausschreibung einen etwas anderen Schwerpunkt gesetzt haben. Nämlich halt eher auf die Technikseite. Und wir haben viele Bewerbungen gehabt, wir haben viele Gespräche geführt und wir haben einfach nach der ersten Runde festgestellt, das war es noch nicht so ganz.

01:02:28 Sebastian Wallroth: Wie kann man sich das vorstellen? Ihr habt/ also Sue hat gesagt, ich werde gehen. Und dann habt ihr einen Ausschuss gebildet und dann habt ihr angefangen, zu überlegen, ja, die Stellenbeschreibung musste geschrieben werden, ihr musstet euch dann auch klarwerden, was ihr sucht. Und dann wurde, glaube ich, eine Firma beauftragt. Und dann kamen mehrere 10.000 Bewerbung rein. Nehme ich mal an. Auf diese Stelle. Die will doch jeder haben. Das ist doch eine supergeile Stelle.

01:02:56 Alice Wiegand: Klar ist das eine supergeile Stelle. Aber, es ist halt auch eine supergeile Stelle, die sich deutlich von den normalen supergeilen Stellen in Silicon Valley unterscheidet. Das fängt bei der Gehaltsstruktur an. Aber das hört halt auch noch lange nicht auf, wenn ich Dinge, wie die Community und Ähnliches mit ins Spiel bringe. Und ich denke mal, was uns immer wichtig war, das war natürlich, das ein gewisses Verständnis, ein Spirit von dem, was auch die Community ausmacht. Und dass auch die Foundation natürlich ohne Community auch ihr Ziel gar nicht erreichen kann. Dass das ganz, ganz tief mit in der Seele dieser Funktion auch mit drinnen verankert sein muss. Das ist halt auch nicht bei allen Kandidaten so hervorgetreten.

01:03:48 Sebastian Wallroth: Warst Du selber an Gesprächen beteiligt?

01:03:50 Alice Wiegand: Ja. Ich war selber auch an Gesprächen beteiligt. Es gab eine größere Interviewrunde. Da konnte ich wegen Streik am Flughafen irgendwo nicht teilnehmen. Aber ich habe auch mit einer guten Reihe von Kandidaten gesprochen. Und dann haben wir halt/ Sue war in dieser Suche ja selbst sehr stark beteiligt. Sie hat sozusagen auch die Suche, ich will mal sagen, inhaltlich und logistisch quasi geleitet. Und wir haben dann gemeinsam beschlossen, dass wir noch mal mit einem ganz anderen Ansatz herangehen, um Menschen zu finden, die halt mehr von diesem Spirit mitbringen und von der Offenheit.

01:04:37 Sebastian Wallroth: Ach so, nach der ersten Ausschreibung haben sich vor allem Techniker gemeldet? Habe ich das richtig verstanden?

01:04:44 Alice Wiegand: Es war eine große Mischung ganz unterschiedlicher Menschen. Also Betreiber von Websites, Websites Entwickler, Geschäftsführer von kleinen, mittleren, großen Unternehmen. Auch durchaus international aufgestellt. Es war einfach nur nicht das wirklich passende dabei. So. Und dann hat/

01:05:07 Sebastian Wallroth: Wie merkt man so was?

01:05:09 Alice Wiegand: Oh, das merkt man im Gespräch schon durchaus. Ich sage mal, die Interviews müssen natürlich bisschen vorbereitet werden, sodass du auch halbwegs vergleichbare Ergebnisse hast. Aber eigentlich in jedem Gespräch, was du mit möglichen Bewerbern führst, und das gilt für die Foundation genauso wie für die Gespräche, die ich hier bei mir auf der Arbeit führe, muss an irgendeiner Stelle, da muss was rüberkommen. Man muss das Gefühl haben, dass man gut miteinander arbeitet. Man muss das Gefühl haben, dass der Mensch, der da vor dir sitzt, das auch will. Und dass der etwas in sich hat, was auch die Organisation weiterbringt. Und, um das mal auf die Spitze zu treiben, jemanden, dem nur daran gelegen ist, eine Organisation wachsen zu lassen, um jeden Preis, ist halt nichts, was für die Wikimedia Foundation tatsächlich infrage käme.

01:06:08 Sebastian Wallroth: Ja. Das kann man ja vergleichen mit einer Firma, die einen Geschäftsführer einstellt, der halt den Umsatz irgendwie nur voranbringen soll und nur darauf fokussiert und der dann auf Nachhaltigkeit keinen Wert legt oder auf Mitarbeiterbindung oder so was.

01:06:20 Alice Wiegand: Ja, genau. So ist das.

01:06:22 Sebastian Wallroth: Du hast ja auch Erfahrungen von beruflich mit Einstellung?

01:06:26 Alice Wiegand: Ja. Auch. Das gehört hier mit zu meinem Aufgabenbereich. Nicht als, wie soll ich sagen, als Schwerpunkt. Aber ich bin bei sehr, sehr, sehr vielen Bewerbungsgesprächen dabei und führe selbst auch nicht nur Bewerbungsgespräche für meinen eigenen Bereich.

01:06:44 Sebastian Wallroth: Ist das vergleichbar? Die Geschäftsführersuche und das, was Du im Beruf erlebst.

01:06:49 Alice Wiegand: Nicht ganz. Das, was ich im Beruf erlebe, das spielt sich einfach auf einem völlig anderen Level noch ab. Und ich hab’s hier sehr häufig mit sehr jungen Menschen zu tun, die noch sehr wenig Erfahrung haben und die unglaublich nervös sind und sich selber noch nicht so richtig über den Weg trauen. Wenn du einen Geschäftsführer suchst und ein Interview führst, dann hast du dort manchmal zwar auch jemanden sitzen, der sehr nervös ist. Aber der ist immer von sich überzeugt. Und der ist schon davon überzeugt, dass nur er oder sie die Richtigen sind, für genau diesen Job. Und das unterscheidet sich sehr, sehr stark. Und es verändert dann halt auch die Gespräche, die du führst.

01:07:29 Sebastian Wallroth: Stelle ich mir sehr interessant vor, mit mehreren 100 Leuten zu sprechen, die von sich überzeugt sind, dass sie der oder die Richtige sind.

01:07:35 Alice Wiegand: So viele waren es Gott sei Dank nicht. Also da hast Du schon recht. Wir hatten die Unterstützung einer professionellen Firma, einer Personalfirma. Das hatten wir auch dieses Jahr wieder. Weil, du kannst als Board, als eine Gruppe von Freiwilligen, kannst du auch diese Vorauswahl nicht wirklich selber führen. Du hast gar nicht die Zeit, mehrere 100 Bewerbungen durchaus durch zu sehen und zu bewerten. Sondern, du musst dich dann einer Dienstleistung halt auch bedienen, in einem Vertrauensverhältnis, in dem schon klar ist, dass eine bestimmte (unv. 01:08:18-2) dann vorgelegt bekommst mit den Kandidaten, die grundsätzlich am ehesten infrage kommen. Und dann kann man auch sagen, das war halt so, dass das Ergebnis dann in der ersten Runde immer noch nicht das war, was wir haben wollen. Das ist bitter. Ich denke, also, wenn ich zurückschaue, glaube ich halt auch, dass wir auch sehr zögerlich waren, dort eine Entscheidung zu treffen. Was auch an der Konstellation vielleicht liegt. Wenn Deine jetzige Geschäftsführerin halt diesen Prozess leitet, bist du als Board vielleicht auch ein wenig zögerlich, zu sagen, so, jetzt wollen wir aber wirklich bis Ende des Monats eine Entscheidung getroffen haben. Ist gar nicht so, dass das ganz bewusst abläuft. Aber ich glaube schon, dass da viel mit eine Rolle spielte.

01:09:05 Sebastian Wallroth: Und dann war da Lila Tretikov.

01:09:08 Alice Wiegand: Ja. In der zweiten Runde sozusagen ist Sue durch das Land gereist und hat sich mit vielen Menschen getroffen, die dann einfach persönliche Empfehlungen für andere Menschen abgegeben haben. Und aus dieser Runde heraus haben wir uns für Lila entschieden. Lila, die einen spannenden Lebenslauf hat, die in ihrer Art uns sehr beeindruckt hat und bei der wir wussten, dass wir ein Risiko eingehen, weil sie halt auch eine solche Position als Geschäftsführerin bislang noch nicht innehatte.

01:09:54 Sebastian Wallroth: Aber ihr hattet/ hattet ihr gleich das Gefühl, das ist die Richtige?

01:09:58 Alice Wiegand: Du, ich weiß das nicht. Das ist auch schwer zu sagen. Ich denke, das hat auch was damit zu tun, dass wir teilweise Interviews nicht alle gemeinsam gehabt haben, sondern unterschiedliche Zeiten von Interviews in unterschiedlichen Gruppen. Ich sage mal, insofern ist es schwer zu sagen: Oh, da kam jetzt jemand die Tür rein und haben wir sofort gesagt, zack, die war es. Ich denke, so war es nicht. Aber Lila, ich sage mal, ist schon auch auf Herz und Nieren geprüft worden, ob sie passt oder nicht. Und ich habe auch einen großen Respekt davor, wie Lila mit der Community umgegangen ist. Und in dem Jahr, indem sie für uns gearbeitet hat, hat sich in Sachen Community und dieses Tech-Department eine Menge getan. Und da ist sehr, sehr viel Austausch passiert. Und auch Lila selber hat durchaus auch mit der Community Wege der Kommunikation gefunden, die vorher in dieser Art und Weise nicht da waren. Und das ist schon spannend zu sehen. Und wir haben das immer noch. Und es wird weiter entwickelt jetzt. Und das gefällt mir.

01:11:13 Sebastian Wallroth: Ich habe Lila zuerst gesehen in London auf der Wikimania, als sie sich da vorgestellt hat. Und es war ein bisschen seltsam so. Wir waren nun alle Sue gewöhnt, die sehr souverän im Auftreten ist und auch eine interessante Persönlichkeit, so vom Anschauen. Und dann kam da Lila, die so ein bisschen steif wirkte und auch irgendwie sprang der Funke nicht so richtig über bei der Sache. So, das war jedenfalls mein Eindruck. Und ich habe auch andere Kommentare gehört, die das so/ und muss ja auch nicht. Man muss nicht den Saal rocken. So. Aber war schon ein Start. Und alle waren noch der Hoffnung, dass jetzt irgendwas passiert. Und Monate später merkte man, da passiert gerade was in San Francisco. Da gehen immer mehr Leute. Da stimmt irgendwas nicht.

01:12:02 Alice Wiegand: Ich denke, es ist halt auch wichtig an der Stelle, dass man seine eigene Perspektive nicht als die einzige Wahrheit hochschraubt. Ich glaube diese Perspektive ist richtig und sie hat halt auch Berechtigung und Bestand. Aber es ist völlig klar, wenn du in einer Organisation unserer Größe Führungspositionen auswechselst, dann passiert innerhalb der Organisation immer etwas. Ob das der Bürgermeister in einer Gemeinde, um noch mal so diesen Bogen zur Kommunalverwaltung zu schlagen, mit jedem Bürgermeister, der nach einer Wahl neu ins Rathaus kommt und der halt auch Chef der Verwaltung ist, verändert sich etwas innerhalb der Verwaltung. Und so ähnlich ist es natürlich in jeder anderen Organisation auch. Das ist eine Typ Frage. Das ist eine Frage, wie dieser Job gelebt wird. Es gibt auch einfach Menschen, die sich dann plötzlich nicht mehr heimisch fühlen. Denen aber auch vielleicht der Führungsstil des Vorgängers so entgegengekommen ist, dass es auch schwierig ist, sich an einen neuen Führungsstil auch heranzuwagen. Da kommt ganz, ganz viel zusammen. Und es ist sehr schwierig und ich glaube auch gefährlich, alles über einen Kamm zu scheren. Insofern kann ich jetzt nicht sagen, dass grundsätzlich der Weggang von Mitarbeitern jetzt eine Überraschung war. Nichtsdestotrotz muss man natürlich schon schauen, eine Organisation muss aktionsfähig bleiben. Die Mitarbeiter grundsätzlich müssen sich wohlfühlen, um ihre Leistung auch gut erbringen zu können. Und ich denke, da haben wir auch einfach, durch unterschiedliche Dinge, die alle gleichzeitig auch passiert sind, wie das dann häufig der Fall ist, ein wenig als Board den Fokus verloren. Das ist tatsächlich so. Nichtsdestotrotz ist es aber auch so, dass wir im Guten auseinandergegangen sind. Und ich denke, wir müssen auch schätzen oder auch wahrnehmen, dass das, was uns gerade ganz besonders am Herzen liegt, halt nicht der einzige Punkt der Wahrheit ist. Da gibt es ganz, ganz viele andere Aspekte und ganz viele Sachen, die Lila auch prima hingekriegt hat.

01:14:33 Sebastian Wallroth: Klar, klar. Also, es ist vieles gut gelaufen. Ist auch/ tatsächlich hatte ich mich damals sehr gefreut, dass diese Ausrichtung die technische Richtung passiert, weil ich zu den Leuten gehöre, die meinen, dass Media Wiki entscheidend weiterentwickelt werden muss, damit die Wikipedia eine gute Zukunft hat. Und dachte dann auch, hatte eben gehofft, mit Lila, dass dann ein Ausbau der technischen Seite passiert. Jetzt tatsächlich gibt es ja jetzt eine neue Geschäftsführerin. Es ist mir eine große Freude, dass es wieder eine Frau ist. Die aber wieder aus der Kommunikationsrichtung kommt. Und tatsächlich gibt es Mutmaßungen auf Facebook, dass damit eine Abkehr von dem Ausbau der technischen Seite passieren wird.

01:15:16 Alice Wiegand: Ja, ich sage mal/ ich kann das ja/ es ist nicht so, dass ich das jetzt nicht nachvollziehen könnte, aber ich fühle mich sehr wohl, zu sagen, das wird nicht so sein. Wir haben seit ganz, ganz langer Zeit eine sehr, sehr schwierige Lücke in unserer Organisationsstruktur. Und das ist die Funktion des Chief Technologie Offices. Und die werden wir, wenn alles gut läuft, jetzt auch bald besetzen können.

01:15:50 Sebastian Wallroth: Ach stimmt. Da läuft ja eine Ausschreibung für einen CTO.

01:15:52 Alice Wiegand: Es ist eine absolute Priorität, weil wir dort auch Stabilität brauchen. Wir brauchen ein Gerüst, was es erlaubt, auch dem Personalstamm, was wir dort haben, auch eine gewisse Sicherheit gibt. Nicht nur hinsichtlich ihrer Arbeitsstelle. Sondern halt vor allen Dingen auch eine Sicherheit hinsichtlich der Richtung in die sie arbeiten. Und insofern ist das Priorität von unserer Geschäftsführerin Katherine, aber halt auch von dem Board, dass diese Funktionen so schnell wie möglich besetzt wird. Aber natürlich halt auch so besetzt wird, dass es passt und dass es uns halt auch wirklich frohen Mutes in die Zukunft schauen lässt. Ja, und wir werden natürlich, mit Katherine haben wir, ja, Du hast recht, wieder jemanden aus der Kommunikations Branche sozusagen. Aber Katherine hat als (unv. 01:16:50-0) gearbeitet. Sie hat also die Funktion von Lila übernommen. Im März war das, glaube ich. Und in der kurzen Zeit, in der sie als (unv. 01:17:04-4) ja auch immer nur beschränkt handeln kann, hat sich einfach gezeigt, dass sich innerhalb der Foundation eine Beruhigung durchsetzte, eine Stabilität langsam wieder zu erkennen war, die einfach für unsere Effizienz als Organisation sagenhaft wichtig ist. Und Katherine als Person schafft es einfach halt auch, Menschen zu motivieren, sie auch alle an einen Tisch zu holen. Und sie ist auch jemand, der einfach erkennt, wo sind Potenziale? Und diese fördern kann.

01:17:43 Sebastian Wallroth: Sie ist ja auch echt ein Sonnenscheinchen auf der einen Seite, ja. Ständig am Lächeln und alle lieben sie. Aber auch ein Profi. Das habe ich die paar Mal, die ich sie jetzt gesehen habe, hat mich das schon beeindruckt. Ich setze große Hoffnungen auf sie. Und es beruhigt mich auch ein bisschen, dass Du jetzt sagst, dass mit der Technik, dass das nicht abgewählt ist. Das wäre fatal, fatal.

01:18:03 Alice Wiegand: Nein. Das können wir uns auch nicht erlauben. Ich denke, es gibt immer diese Diskussion, was für eine Art von Organisation sind wir denn eigentlich? Sind wir so eine Tech-Organisation? Oder sind wir jetzt/ irgendwann hatten wir mal Grand Making als Fokus noch unter Sue. Aber im Moment ist die Diskussion ja eher, sind wir eine Tech- oder sind wir eine Education-Organisation? Und ich denke, wenn man sich überlegt, wenn wir die Foundation klein schnibbeln würden, was würde übrigbleiben, was auch sonst, ich will mal sagen, nicht an anderen Stellen entsprechend übernommen werden könnte. Dann würde ich sagen, so, ich persönlich würde sagen, es ist dieser Tech-Bereich, der in einer Hand liegen sollte, um bestimmte Dinge zu harmonisieren, abzustimmen und in eine Richtung zu geleiten. Und ich glaube, dass ganz viel von dem, was im Education-Bereich liegt, auch von lokalen Organisationen, von viel kleineren Strukturen, in ähnlicher Art und Weise übernommen werden könnte. Damit/ das ist bestimmt keine Meinung, die ich mit all meinen Board-Mitgliedern teile oder die nicht mit mir, aber ich denke, es sind so unterschiedliche Perspektiven, mit der man dann halt auch auf diese Foundation guckt. Ich kann mir keine Foundation ohne Tech vorstellen und deshalb muss Tech gefördert werden. Und wir brauchen dringend, dringend Erneuerung, Erweiterung auf unserer Plattform Seite. Ich meine damit jetzt nichts was blinkt, sondern eher was, was Funktion bringt. Und wir wissen alle, dass die Media Wiki Software auch einfach in die Jahre gekommen ist und an vielen Stellen der Bedarf einfach die Möglichkeiten der jetzigen, heutigen Software sprengt. Und dem müssen wir uns stellen. Und für das müssen wir Lösungen finden. Und ich denke, dass wir dort auch noch eine Menge investieren müssen.

01:20:10 Sebastian Wallroth: Ich musste mich jetzt während unseres Gespräches öfter mal ermahnen, jetzt das nicht auszunutzen und meine ganzen Anliegen vorzutragen, die ich gerne hätte.

01:20:21 Alice Wiegand: Wären bei mir auch völlig falsch angebracht.

01:20:23 Sebastian Wallroth: Wirklich?

01:20:24 Alice Wiegand: Ja.

01:20:24 Sebastian Wallroth: Ich weiß nicht. Aber da können wir vielleicht mal eine andere Sendung machen. Noch eine andere Frage. Die Katherine Maher, wie spricht man das aus?

01:20:33 Alice Wiegand: Katherine Maher.

01:20:34 Sebastian Wallroth: Da steht im Profil, dass sie auch Deutsch kann. Ist das so? Kann sie Deutsch sprechen?

01:20:37 Alice Wiegand: Du, das weiß ich nicht. Wir haben es noch nie ausprobiert.

01:20:40 Sebastian Wallroth: Probier es mal aus, ich würde die nämlich gerne mal in den Podcast kriegen hier.

01:20:44 Alice Wiegand: Ich finde das ganz witzig, weil, ich habe morgen ein Telefonat mit ihr. Und ich werde es mal ausprobieren, ob es funktioniert.

01:20:50 Sebastian Wallroth: Ja, mach das mal. Und lad sie in meinen Podcast ein. Machst Du das für mich?

01:20:54 Alice Wiegand: Das werde ich machen.

01:20:55 Sebastian Wallroth: Das ist ganz lieb von Dir. Und vor allem/ und wenn Dir noch jemand einfällt, den ich gerne mal hier interviewen kann, dann nur zu.

01:21:02 Alice Wiegand: Ja. Hör mal, ich glaube, ich habe zwei, drei, vier schon Ideen, was vielleicht eine Option für dich sein könnte.

01:21:10 Sebastian Wallroth: Das ist großartig.

01:21:11 Alice Wiegand: Ich werde das (unv. 01:21:11-3) teilen.

01:21:12 Sebastian Wallroth: Auch an die zwei Zuhörer, die ich hier habe, bitte denkt euch Leute aus, die mit mir sprechen. Ich kriege leider auch Absagen, was man gar nicht glauben kann. Gerade von interessanten Leuten. Zum Beispiel die gerade ihre Arbeit hingeschmissen haben in der Wikipedia. Die würde ich ja gerne mal interviewen. Aber da ist dann auch der Wille zum Interview nicht so groß. Ja, aber gerade das Gespräch wie mit Dir, ich werde jetzt bestimmt noch zwei, drei Tage mir das noch mal anhören, weil ich nur die Hälfte mitgekriegt habe, weil ich ja auch noch so aufgeregt bin, weil ich das hier technisch auch noch leiten muss. Und zahllose neue Informationen sind auf mich eingeströmt.

01:21:47 Alice Wiegand: Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, Sebastian. Vielen Dank für die Einladung.

01:21:49 Sebastian Wallroth: Spaß hat es nämlich auch noch gemacht.

01:21:51 Alice Wiegand: Auch das noch. Unglaublich.

01:21:53 Sebastian Wallroth: Ich danke Dir. Und noch einen schönen Abend.

01:21:56 Alice Wiegand: Tschüss.

01:21:56 Sebastian Wallroth: Tschüss.